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Ich kann mich nicht ungebremst meinen Emotionen hingeben, auch nicht wenn es durchaus berechtigt wäre, ich kann das nicht und bedauere dies zuweilen sehr. Es gibt diese Momente, da blicke ich neidvoll zu meiner schwangeren Frau. Wenn sie sich wieder einmal vor irgendeinen dieser Unholde stellt, der es wagte sie zu übervorteilen. Wie sie ihn stellt, ihn sich zurechtlegt, ihn geradezu vorbereitet, schlachtfertig sozusagen. Schlagfertig natürlich. Meist trifft es diese Mitmenschen völlig unvorbereitet. Sie wirken überrascht, irritiert, beinah wie aus dem Augenblick heraus überfallen. Waren sie vorher noch sicher in der Rolle des Täters, hatten sie zuvor also die Situation vollständig im Griff, oder glaubten dies zumindest, so stürzt plötzlich die Welt um sie herum zusammen. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Der Boden scheint ihnen unter den Füßen zu entgleiten. Es ist diese Fassungslosigkeit, die mich so fasziniert. Diese Menschen verlieren von jetzt auf gleich ihre Haltung. Völlig. Sie können jetzt nur noch das Schlimmste verhüten, wenn sie sehr aufmerksam sind. Das ist eine Situation auf die sind sie nicht vorbereitet. Sie müssen plötzlich kleine Brötchen backen, sehr kleine Brötchen. Sie versuchen sich in Ausflüchten und billigen Ausreden, sie versuchen abzuwiegeln, schließlich entschuldigen sie sich. Meist zu spät und nur unzureichend. Denn das reicht ihr nicht mehr. Eine einfach Entschuldigung ist ihr längst nicht genug. Auch wenn der Betreffende umgehend eine völlige Wiedergutmachung ankündigt und auch noch eine Sonderbehandlung anbietet. Nein, das reicht ihr nicht mehr. Er hat praktisch keine Chance mehr. Denn wenn sie sich einmal über jemanden derartig aufgeregt hat, dann hat er verloren, er hat alles verloren. Er existiert quasi für sie nicht mehr, er ist nicht mehr wichtig, er hat keine Bedeutung mehr. Er dient nur noch dazu, den Zorn zu ertragen. Dies bitteschön erledige er mit einem Mindestmaß an innerer Haltung. Wenn auch dies nicht mehr zu spüren ist, hat er nicht einfach nur verloren, nein, er hat für immer verloren. Er muß den Blick ertragen, der da sagt. Du bist eine Null, du bist immer eine Null gewesen und du kannst dich noch so sehr anstrengen, du wirst immer eine Null bleiben, für immer und ewig. Ewig. Vielleicht haben Sie noch nie darüber nachgedacht, was es heißt, für ewig in der Verdammnis zu verschwinden. Ewig. Das ist mehr, weit mehr, als wir uns vorzustellen vermögen. Und wenn Sie dieses Gefühl erleben möchten, dann stellen Sie sich einer Schwangeren in den Weg, stören Sie sie bei ihren heiligsten Unternehmungen, seien Sie unachtsam mit ihr. Dann haben Sie die größten Chancen, eine Erfahrung fürs Leben zu machen. Sie werden mit der Unendlichkeit des Universums konfrontiert. Sie werden unmittelbar die unendlichen Weiten des Weltraumes erfahren und gleichzeitig erleben Sie die unbarmherzige enge Begrenztheit Ihrer eigenen Person. Das werden Sie nie wieder vergessen. Das ist eine Erfahrung, die sollte jeder Mensch einmal machen. Direkt oder indirekt. Wenn Sie feinsinnig veranlagt sind, dann genügt sicherlich die indirekte Erfahrung, das heißt, Sie sind nur verständnisvoller Zeuge einer derartigen Auseinandersetzung. Das wünsche ich Ihnen. Feinsinn und Übersicht im täglichen Umgang mit Schwangeren. |