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So! Haben Sie das schon einmal gehört, ich meine bewußt gehört? Ganz bewußt gehört. So! Nicht: Soooo. Nein. So! Mit weichem S und ganz kurzem o. Nur mal eben hingeworfen. Ganz schnell. Das ist ein Ausruf. Das ist schon mehr ein Auswurf. So! Nur zwei Buchstaben. Aber sie beschließen und beenden ganze Geschichten. Für immer und ewig. So! Da geht nichts mehr. Gar nichts mehr.
Tief in einem spannenden Spiel oder in einem Buch versunken, reißt es einen unbarmherzig an die Oberfläche. An die harte Realität. So! Da steckt ein abruptes Ende drin. Da kann ich mich nicht mehr gegen wehren, keine Chance.
Zugegeben, bis dahin habe ich schon zwanzig Mal die Grenze ausgereizt. Immer wieder erfolgreich um Verlängerung gerungen. Aber jetzt gibt es keinen Aufschub mehr. Nicht mehr eine Minute. Denn das haben wir schon hinter uns. Och, zwei Minuten noch. Dann wieder, ein sehr langgezogenes Ooooochch, noch zwei Minuten, ganz sicher, zwei Minuten noch, aber dann, dann ... ganz sicher. Aus den zwei Minuten werden sowieso immer zehn. Das ist so.
Da wird die Zeit relativ. Wenn ich beispielsweise sage, ach bitte, nun laß mich noch zehn Minuten hier liegen. Da werden dann mindesten dreißig Minuten daraus, das ist so, da kann man nichts gegen machen. Bis dann jemand sagt: So!
Ganz unvermittelt ist dann Schluß. Ende. Aus. Überhaupt ist es beachtlich, daß jemand mit dieser kurzen Aussage ganze Abenteuer beenden kann. Nicht minder bemerkenswert ist die Person, die sie machen kann. Um die tieferen Zusammenhänge begreifen zu können, müssen wir weit zurückgehen, weit zurück in unserer Biographie. Zuallererst sind es nämlich die Mütter, die diese Autorität aufbringen. In zweiter Reihe die Väter. Aber zuerst die Mütter. Die Frauen. Die Frau. Die Vernunft.
Sie hat das Sagen (Wir ahnen, warum die Autorität einen weiblichen Artikel hat). Unmißverständlich. So! Jetzt ist aber gut, jetzt kannst du aber mal endlich... Da klingt, auch immer ein wenig Bedrohung mit. So! Jetzt passiert aber was. Ganz plötzlich passiert das. Aber was? Manchmal wissen wir, was dann passiert. Meist ist es etwas Unangenehmes. Etwas, was man schon lange aufgeschoben hat. Etwas sehr unangenehmes. Etwas, was weh tut.
In meinem Falle, ist es die Buchhaltung. Nein, das mache ich nicht gern. Nein. das ist wie Zahnarzt. Nur nicht so blutig. Aber fast. Belege sammeln, sortieren, einheften, prüfen, wieder prüfen, immer wieder prüfen. Bis es irgendwann einmal paßt, aber nicht wissen, warum und dann auch nicht weiter danach fragen. Nur nicht weiter prüfen. Nein, wenn es einmal paßt, nicht mehr prüfen, nur nicht mehr prüfen. Ich prüfe es dann trotzdem. Da streitet sich mein Perfektionsanspruch mit meinem vorsichtigen Optimismus. Am Ende siegt dann doch die Perfektion, wenn es nur nicht so lange dauern würde. Wenn es nur nicht so lange dauern würde. Es ist wie bohren. Das kann man sich auf der Zunge zergehen lassen: Bohren. Schön langziehen. Bohren. Wenn ich mit meiner Buchhaltung dann endlich fertig bin, dann vergesse ich sie sogleich wieder. Ich vergesse die Pein und die Schmerzen und verdränge den gesamten Arbeitsprozeß. Dann lebe ich für Wochen in Frieden mit mir und meiner Welt.
Aber dann, dann kommt es irgendwann, ganz sicher kommt es. Dann sagt jemand: So! Was so viel heißt, wie. Jetzt ist es aber gut, jetzt haben wir lange genug gespielt, jetzt müssen wir mal wieder ran. So ist es, genau so. Nun ist aber Schluß. So!